Von oben gesehen. Die Vogelperspektive – Von Behaim bis Elíasson

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Ein Halt in Nürnberg, wenn ich auf der A9 Richtung Norden oder zurück Richtung Süden unterwegs bin, ist fast immer ein Muss. So kann ich den „Zwischenstop“ wunderbar mit einem Kunstbesuch verbinden.  Eigentlich wollte ich hier hinein. Eine Kaffeepause im in diesem Museumscafé änderten meine Pläne, denn ich blickte direkt auf das Plakat zur Ausstellung <Von oben gesehen. Die Vogelperspektive – Von Behaim bis Eliasson. > und entschied mich spontan, ein Ticket zu kaufen.

Die Thematik der <Sicht von Oben> ist höchst aktuell. Betrachtet man die Entwicklung der neuen medialen Möglichkeiten der Drohnenfotografie allein in den letzten paar Jahren, entstehen ganz neue  Bilderwelten, allein nur, weil sich der Blick aus gewohnter Perspektive ändert.  Ich erinnere mich noch sehr gut an die Aufnahmen von Rainer Viertlböck, in dieser Ausstellung vor gut einem Jahr, die mich stark beeindruckten. Konventionelle Postkartenmotive aus einem völlig anderen Blickwinkel. Das war neu.  Doch es geht auch völlig ohne Drohnenequipment; gerade bei den Lifestyle- und Foodbloggern ist der <Klick von oben>, die Präsentation aus ganz normaler Menschenhöhe beliebt und ändert somit stetig einen ganzen ästhetischen Blickwinkel. Sebastian Frenzel hat in der November Print-Ausgabe des MONOPOL Magazins einen schönen Essay über das Thema geschrieben. Die Perspektive von oben, ist ein Feld – was es noch ausgibig zu beackern gilt.

Doch nun zurück zur Ausstellung:

„Der Wandel von Formen, Funktionen und Bedeutungen der besonderen Wahrnehmungsweise der Vogelperspektive und ihr Widerschein in der Kunst vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart ist das Thema der Ausstellung. Die künstlerische Spannweite reicht dabei von Albrecht Dürer und Jacopo de`Barbari über Adolf von Menzel, Pierre Bonnard, Ferdinand Holder, Ernst Ludwig Kirchner, Gerhard Richter bis zu Olafur Eliasson. …Mit der Gewinnung des Blicks von oben und der damit verbundenen Distanz zu Natur und Gesellschaft ordnet sich die Welt visuell und inhaltlich neu: Die Vogelperspektive kann die Illusion von Wissen und Macht vermitteln, ideale und utopische Vorstellungen andeuten, nationale Identitäten versinnbildlichen, wie auch die Befreiung von persönlichen und gesellschaftlichen Fesseln verheißen. So diente die Vogelperspektive zunächst weltlichen und geistlichen Obrigkeiten, dem Militär und später Fabrikanten als Ausdruck ihrer realen oder geforderten Macht. …  Über Jahrhunderte beruhte die Umsetzung des Blicks von oben in bildlichen Darstellungen nicht auf unmittelbarer Anschauung sondern auf mathematischen Berechnungen. Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts konnten breite Bevölkerungsschichten die Vogelperspektive real erleben. Das Besteigen von Berggipfeln und Kirchtürmen, der Bau von Aussichtsplattformen , vor allem aber die technischen Errungenschaften des Heißluftballons und des Flugzeugs trieben diese Entwicklung voran. Den Menschen eröffneten sich neue Wahrnehmungshorizonte und die Phantasie bemächtige sich des Bildes: Künstler verfremdeten bekannte Sehweisen, missachteten oder steigerten räumliche Bezüge und entdeckten den Reiz bewegter Motive und atmosphärischer Erscheinungen. …“

Eine entzückende Schau, die Ausstellung <Von oben gesehen. Die Vogelperspektive – Von Behaim bis Eliasson. >  –  ein weitreichender Überflug über 500 Jahre europäischer Weltanschauung.  Die Moderne wird mir zu kurz zusammengefasst und der Übergang zur „neuen Sichtweise“, mittels technischer Neuerungen, wie die Drohnenfotografie  vollkommen übergangen, dafür gibt die Ausstellung einen umfassenden historischen Überblick. Sehenswert!

 

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