Ece_Grauer_unterwergsinsachenkunstKurz hinter dem Foyer der AdBK war die Künstlerin Ece Gauer groß mit Ihrem Werk “Türk kahvesi – Türkischer Kaffee” vertreten, Kaffeetassen mit Kaffeesatz, die fein aufgereiht an der Wand klebten und entfernt an die Fallenbilder Spoerris erinnerten.

Später hab ich dann noch eine andere Seite von ihr entdeckt, die ich weitaus fesselnder fand: Klassiker der Malerei herausgestellt auf gemustertem Hintergrund.  

Alexandre_Karaivanov_unterwegsinsachenkunst

Die fotorealsitische Darstellung des Künstlers Alexandre Karaivanov zog mich sofort an. Präzise malt Alexandre Karaivanov das, was Fotoapparate schon seit Jahren können – Abbilde schaffen. Ein modernes Stilleben. Nur ein naher Blick verrät, den Pinselstrich. Das ist das, was Fotos nicht können. Fantastisch.

 

Klasse Kneffel – Jahresausstellung 2014 der AdBK

Sina_Wagner_unterwegsinsachenkunstEin Quader aus Beton. Inmitten eingearbeitete Lichtfasern. Sina Wagner, die Künstlerin. Lichtpunkte fein angeordnet dringen nach außen. Steckt man die Hand oder einen Gegenstand dahinter, entstehen Schatten, die in der Mitte geteilt, die Assoziation von Rohrschach Kleksen vermitteln. Durch die bewusste Anordnung der Lichtfasern wird das Licht durch den Quader so gelenkt, dass scheinbar zufällig immer neue Objekte entstehen. Ein Verfahren, dass die Betonindustrie schon seit ein paar Jahren maschinell herstellt und sich zu Nutze macht, sagt mein Gatte, gelangweilt. Für mich innovativ  - nicht das Verfahren, sondern die Umsetzung.

AULA_unterwegsinsachenkunstVon der historischen Aula der AdBK ist in dem abgedunkeltem Raum nicht viel zu erkennen. Lichtinstallationen und gezeigte Miniaturen blitzen nach außen. Fasziniert bewege ich mich durch den Raum, zu den einzelnen Installationen, wie ein Motte um das Licht.

Eingang links gewährt Theresa Scheitzenheimer (vgl. Foto 2 v.o.) private Blicke.

Sie rekonstruiert “alle Betten, in den ich geschlafen habe und an die ich mich erinnern kann” als Miniaturen, die wie biographische Schlaglichter zu lesen sind: Stellvertreter für schöne, aufregende, schmerzhafte oder traurige Erfahrungen.

Gülbin Ünlüs lässt weiße Wände umfallen, dumpf und vibrierend, als wäre man real dabei.  Fortwährend ohne Ende in ein dunkles Nichts und schwarze in ein helles Nichts.

Auch Anina Stolz (vgl. Foto 1 v.o.) präsentiert eine Endlosschleife und projiziert eine Schwimmbadszenerie aus dem Olympiabad an die Decke der Historischen Aula. Schillernd. Erfrischend. Ein Mensch schwimmt durch das Beckenidyll und durchbricht für einen kurzen Augenblick die plätschernde Landschaft. Nochmal und nochmal.

In Lena Policzkas (vgl. Foto 1 v.o.) geheimnisvollem Labor in der Mitte des Raumes stecken in vier mal fünf Glaszylindern scheinbar unbekannte Eigenleben – atmend, fragil und fremdartig. Faszinierend.

Anne Pfeifer und Bernhard Kreuzer zeigen in ihrer vierteiligen Videoinstallation “Splitterstücke” Menschen, die Körperpartien fremder Menschen auf reflektierende Spiegelscherben vor ihren Gesichtern bewegen. Langsam, bedacht. Entschleunigend. Teile des Gegenübers werden so zum Teil des eigenen Gesichts.

jesaja_rueschenschmidt _unterwegsinsachenkunstFast unscheinbar hängt dieses Werk des Künstlers Jesaja Rüschenschmidt an der Wand der Klasse Prof. Pitz in der AkdB. Zwei gleichgroße Kreise – ein schwarzer und ein weißer. <Imbalance> der Titel – zu Deutsch Unausgewogenheit. Meine erste Assoziation war eine komplett andere und der Titel “in balance” wäre für diese erste Assoziation die passende gewesen. Licht & Schatten, Hell & Dunkel, so verschieden und doch gleich, eine wechselwirkende Bezogenheit. Ich bin ein wenig verwirrt. Trete zurück. Suche das Gespräch mit einem der Kunststudenten im Raum, der mit mir in Diskussion geht, mich ein paar Schritte weiter auf die richtige Position lenkt. Und plötzlich kommt sie mir näher, die <Imbalance>. Mit voller Wucht. Ein optischer Kontrast. Das Weiß des Kreises scheint sich dreidimensional auszudehnen – das Schwarz zieht sich in der Eindimensionalität zurück. Wird kleiner. Verschwunden “meine” In-balance? Ist alles nur eine eigene Sichtweise? Oder die Richtung des Blickwinkels? Oder ist das Wort, die Erklärung; die Antwort? Das anfänglich leiseste Werk des Raumes wird plötzlich laut. Philosophisch, eindringlich, vielschichtig. Für mich das stärkste dieses Raumes, lieber Jesaja Rüschenschmidt, gerne auch nochmal schriftlich, nachdem Sie sich erst am Ende unserer Unterhaltung als Künstler geoutet haben. Großartig. Vielleicht weil es mehr Fragen, als Antworten aufruft. Nicht mehr und nicht weniger.

Jungmin_Park_unterwegsinsachenkunstWasser ist das zentrale Element der Künstlerin Jungmin Park. Vergangenes Jahr beeindruckte mich ihre melancholische Sicht durch verregnete Autoscheiben. Ampeln, Brücken, Autoscheinwerfer, die in der Dämmerung zu einem bizarren Farbenmatsch mutierten. Zufällig von der Natur komponiert. Die verschwommenen Konturen des nassen Draußens sind kurzweilig vertraute Motive – jedoch selten festgehalten. Jungmann Park gibt  genau diesen Momenten, die im täglichen so wenig Beachtung finden, einen großen Auftritt und zeigt eine ganz eigene Schönheit.

Zu sehen während der Jahresausstellung in der AdBK.

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