Sina_Wagner_unterwegsinsachenkunstEin Quader aus Beton. Inmitten eingearbeitete Lichtfasern. Sina Wagner, die Künstlerin. Lichtpunkte fein angeordnet dringen nach außen. Steckt man die Hand oder einen Gegenstand dahinter, entstehen Schatten, die in der Mitte geteilt, die Assoziation von Rohrschach Kleksen vermitteln. Durch die bewusste Anordnung der Lichtfasern wird das Licht durch den Quader so gelenkt, dass scheinbar zufällig immer neue Objekte entstehen. Ein Verfahren, dass die Betonindustrie schon seit ein paar Jahren maschinell herstellt und sich zu Nutze macht, sagt mein Gatte, gelangweilt. Für mich innovativ  - nicht das Verfahren, sondern die Umsetzung.

AULA_unterwegsinsachenkunstVon der historischen Aula ist in dem abgedunkeltem Raum nicht viel zu erkennen. Lichtinstallationen und gezeigte Miniaturen blitzen nach außen. Fasziniert bewege ich mich durch den Raum, zu den einzelnen Installationen, wie ein Motte um das Licht.

Eingang links gewährt Theresa Scheitzenheimer (vgl. Foto 2 v.o.) private Blicke.

Sie rekonstruiert “alle Betten, in den ich geschlafen habe und an die ich mich erinnern kann” als Miniaturen, die wie biographische Schlaglichter zu lesen sind: Stellvertreter für schöne, aufregende, schmerzhafte oder traurige Erfahrungen.

Gülbin Ünlüs lässt weiße Wände umfallen, dumpf und vibrierend, als wäre man real dabei.  Fortwährend ohne Ende in ein dunkles Nichts und schwarze in ein helles Nichts.

Auch Anina Stolz (vgl. Foto 1 v.o.) präsentiert eine Endlosschleife und projiziert eine Schwimmbadszenerie aus dem Olympiabad an die Decke der Historischen Aula. Schillernd. Erfrischend. Ein Mensch schwimmt durch das Beckenidyll und durchbricht für einen kurzen Augenblick die plätschernde Landschaft. Nochmal und nochmal.

In Lena Policzkas (vgl. Foto 1 v.o.) geheimnisvollem Labor in der Mitte des Raumes stecken in vier mal fünf Glaszylindern scheinbar unbekannte Eigenleben – atmend, fragil und fremdartig. Faszinierend.

Anne Pfeifer und Bernhard Kreuzer zeigen in ihrer vierteiligen Videoinstallation “Splitterstücke” Menschen, die Körperpartien fremder Menschen auf reflektierende Spiegelscherben vor ihren Gesichtern bewegen. Langsam, bedacht. Entschleunigend. Teile des Gegenübers werden so zum Teil des eigenen Gesichts.

jesaja_rueschenschmidt _unterwegsinsachenkunstFast unscheinbar hängt dieses Werk des Künstlers Jesaja Rüschenschmidt an der Wand der Klasse Prof. Pitz. Zwei gleichgroße Kreise – ein schwarzer und ein weißer. <Imbalance> der Titel – zu Deutsch Unausgewogenheit. Meine erste Assoziation war eine komplett andere und der Titel “in balance” wäre für diese erste Assoziation die passende gewesen. Licht & Schatten, Hell & Dunkel, so verschieden und doch gleich, eine wechselwirkende Bezogenheit. Ich bin ein wenig verwirrt. Trete zurück. Suche das Gespräch mit einem der Kunststudenten im Raum, der mit mir in Diskussion geht, mich ein paar Schritte weiter auf die richtige Position lenkt. Und plötzlich kommt sie mir näher, die <Imbalance>. Mit voller Wucht. Ein optischer Kontrast. Das Weiß des Kreises scheint sich dreidimensional auszudehnen – das Schwarz zieht sich in der Eindimensionalität zurück. Wird kleiner. Verschwunden “meine” In-balance? Ist alles nur eine eigene Sichtweise? Oder die Richtung des Blickwinkels? Oder ist das Wort, die Erklärung; die Antwort? Das anfänglich leiseste Werk des Raumes wird plötzlich laut. Philosophisch, eindringlich, vielschichtig. Für mich das stärkste dieses Raumes, lieber Jesaja Rüschenschmidt, gerne auch nochmal schriftlich, nachdem Sie sich erst am Ende unserer Unterhaltung als Künstler geoutet haben. Großartig. Vielleicht weil es mehr Fragen, als Antworten aufruft. Nicht mehr und nicht weniger.

Jungmin_Park_unterwegsinsachenkunstWasser ist das zentrale Element der Künstlerin Jungmin Park. Vergangenes Jahr beeindruckte mich ihre melancholische Sicht durch verregnete Autoscheiben. Ampeln, Brücken, Autoscheinwerfer, die in der Dämmerung zu einem bizarren Farbenmatsch mutierten. Zufällig von der Natur komponiert. Die verschwommenen Konturen des nassen Draußens sind kurzweilig vertraute Motive – jedoch selten festgehalten. Jungmann Park gibt  genau diesen Momenten, die im täglichen so wenig Beachtung finden, einen großen Auftritt und zeigt eine ganz eigene Schönheit.

Doberauer_unterwegsinsachenkunstDie Jahresausstellung der AdBK findet heute ihren letzten Tag für 2014. Schade wie ich finde. Die Woche war mal wieder viel zu kurz. Anfangs war mein Gesamteindruck enttäuschend, doch von Besuch zu Besuch facettenreicher. So darf es sein. Wieder hängengeblieben bin ich bei Klasse Frau Prof. Doberauer (s.o), die mich einst schon so verzückte – dieses Jahr “Schwarz Arbeit“. Wunderbar kuratiert, jedes Werk für sich autark und doch vereint. So Johanna Strobel (vgl. 2.v.o.), die meisterlich Licht und Schatten inszeniert, Brigitte Stenzel  (vgl. 3.v.o.) und Jiyun Cheon  (vgl. 4.v.o.), keine Neuentdeckung, bereits hier und hier und hier faszinierend, doch allesamt auffrischend bestätigend. Ebenso die Klasse von Frau Prof. Kneffel mit “Ausmaß” (s.u.) durch und durch gelungen. Verena Hägler (vgl. 3.v.u.), Stefanie Hofer (vgl. 2.v.u.), die ich letztes Jahr hier und hier für mich entdeckte. Oder Jungmin Park, Matthias Hirtreiter unbestritten großartig. Beeindruckend auch die ARCHIPEL AULA. Eindruck hinterlassen hat auch Ece Gauer oder Felix Waldherr aus der Klasse Kasseböhmer. Ihr merkt, es gibt noch einiges zu zeigen. In den kommenden Tagen mache ich weiter und stelle noch ein paar Kunstwerke vor, durcheinander, ohne Chronologie. Ich freue mich auf ein neues Akademie-Jahr. Habt noch einen schönen Sonntag.

prof_kneffel_unterwegsinsachenkunst

 

viel_rauch_um_nix_unterwegsinsachenkunst

<Viel Rauch um Nix> im Garten der AdBK. Der Kubus hat etwas von “des Kaisers neue Kleider” und Tatsache, das Projekt des Studiengangs Innenarchitektur (Eugen Happacher, Benedikt Huber, Valentina Lachner, Eva Miklavcic, Maximilian Schmid, Dominiks Seisenberger) hat es in sich: ein Freiraum? Ein Innenraum? Ein Zwischenraum? Ein Raum im Raum? Mit einem Knopfdruck im Inneren vernebelt sich das Draußen des Gartens. Welche Komponenten konstituieren einen Raum? Und wo ist die Grenze? Mehr Fragen als Antworten. Mehr davon.

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